Kurt – eine persönliche Buchkritik

Leicht melancholisch setze ich mich in den Zug, der mich von meinem Osternfamilienbesuch im Süden zurück nach Berlin bringt. Dieser Besuch machte mir wieder einmal klar, dass wir alle älter werden und das es nichts gibt, was immer so sein wird wie es war, wie man es gewohnt war. Klar, meine Mutter kocht immer noch gut und mein Vater provoziert wie immer – es mag wohl meine aktuelle Dünnhäutigkeit sein, – die wahrscheinlich mit Stress auf Arbeit zu tun hat – die mich auf die Spitzen meines Vaters nicht so gelassen reagieren lässt wie sonst – und auch der Kaffee meiner Mutter, er schmeckt nicht schlechter oder besser als früher – einfach nur anders und dieses anders lässt mich fast die Tränen in die Augen treiben.

Jedenfalls – am Bahnhof kaufte ich mir Kurt. Ein Buch das ich schon lange lesen wollte und von dem ich wusste, dass es vielleicht nicht das beste Lesewerk für meine aktuelle Gefühlslage ist aber manchmal – und bitte entschuldigt nun meine vielleicht krasse bildliche Wortwahl und das so kurz nach Ostern – muss der Nagel noch etwas tiefer gerammt werden – es muss noch mehr schmerzen als es ohnehin schon tut.

Ich hatte Glück – ich fand in dem ziemlich überfüllten Flixzug einen recht guten Sitzplatz. Packte meine von Mama geschmierten Brezeln vor mich hin, die Flasche Wasser und Kurt. Nachdem sich die Aufregung um die verspätete Abfahrt gelegt hatten und alle Mitfahrer in meinem Abteil all ihr Gepäck verstaut und endlich saßen, begann ich zu lesen.

Sahra Kuttner beschreibt ein Pärchenleben. Heiter und froh – mit alltäglichen Pärchenproblemen – so, dass man man irgendwie Teil dieses Pärchens sein möchte. Es machte wirklich Spaß zu lesen.

Ich wusste, von vielen Buchkritiken, was ungefähr passieren wird – wie es dann in Kurt passiert und beschrieben wird, nun, wie soll ich sagen – das ist anders. Es passiert unerwartet. Ohne Vorbereitung. Kurz und knackig wenn ich das so sagen darf. Aber so ist das Leben und eben auch der Tod. Er kommt meistens ohne Vorbereitung und kurz und knackig wenn ich bei dieser Wortwahl bleiben darf. Eine erste Träne will langsam aus meinem Auge entrinnen – ich lege kurz das Buch weg, nehme einen Schluck Wasser, atme tief aus, nehme meine Brille ab und schaue aus dem Fenster. Das war hart.

Natürlich lese ich aber weiter. Und Sarah Kuttner schafft es, von Verlust und Trauer zu schreiben als wäre man selbst dabei. Jede Reaktion, jede Aktion, jeder Satz der von den Protagonisten von sich gegeben wird ist absolut nachvollziehbar und erinnert an eigene Verluste und das tut weh.

Mein Sitznachbar schaut lustige Videos und bekommt einen Lachanfall während mir die Tränen kommen. Ich schaue aus dem Fenster, muss klar kommen, muss Wasser trinken, muss weiter lesen. Tränen abgewischt, einmal die Nase hochgezogen und weiter gehts.

Noch vor Wolfsburg bin ich fertig mit Kurt. Den Rest der Fahrt schaue ich nachdenklich aus dem Fenster. Vielen Dank Sarah Kuttner für die wahrscheinlich gefühlsduseligste Zugfahrt meines Lebens.

Kurt

 

Wer bin ich und was mach ich hier eigentlich?!

Es war auf dieser Safari. Vor etwa vier Jahren. Ich habe schweineviel Geld dafür bezahlt aber uns ist drei Tage lang kein Elefant, Löwe, Nashorn oder ähnliches über den Weg gelaufen. Ich war kurz davor, mein Geld vom Reiseanbieter wieder zurück zu fordern. Dann – am vierten Tag – stand es quasi direkt vor mir – das Einhorn – und ich hab abgedrückt. Es tut mir leid, erst danach habe ich erfahren, dass es das Letzte war. Ich bin schuld. Ich bin schuld, dass euer Lieblingstier nicht mehr unter uns ist. Die Bilder, wie ich vor und mit dem leblosen Einhorn pose, habe ich alle verbrannt. Die waren mir dann doch etwas peinlich. Was ich aber sagen muss – ich will da euch allen nicht eure Träume kaputt machen – aber Einhornscheiße sieht aus wie jede andere Scheiße auch und sie stinkt gewaltig. UND – Einhörner stinken aus dem Maul. Aber Hallo! Also sie haben aus dem Maul gestunken. Sorry…

Abgesehen davon – schreibe ich gern.

Ich bin der Claudius. Baujahr 1978. Wohne in Berlin.

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Und wer noch mehr über mich wissen will:

Ich mag:

Gutes Frühstück. Selbstbewusste, Intelligente Frauen. Sushi. Wenn der Busfahrer sieht, dass ich renne und extra wartet. Wenn jemand in einem Gespräch mit mir meinen Namen sagt. Auf der Tanzfläche stehen und mit jemand tanzend Händchen halten den man gar nicht kennt. Der Geruch wenn es aufgehört hat zu regnen. Wassertropfen an meiner Scheibe. Lachen. Knutschen. Schwäbischen Rotwein. Aufwachen und wissen, man liegt nicht alleine im Bett. Schlafen und wissen, man liegt nicht alleine im Bett. Jeden morgen den Fernsehturm auf den Weg zur Arbeit sehen und wissen, hier bin ich zuhause. Nachhausekommen von einer tollen Nacht und es wird gerade hell. Fotos und fotografieren. Durch Museen schlendern. Leute beobachten. Rothaarige Menschen. Den Kreuzberg (Ganz oben das Denkmal. Mein Lieblingsplatz). Knutschen Knutschen Knutschen. Sex. Nach dem Sex einfach nur daliegen. Sich nackt spüren. Sich angezogen spüren. Merken, wie man sich gerade verliebt. Blinddates. Selbstgemachte Poppcorn. Schallplatten auflegen. Musik hören. Das Berghain. Berlin im Frühling und im Sommer. An der Spree sitzen. Die Bar25. Die Russendisco. VFB Stuttgart (jaja is ja gut…) Lesen. Schreiben. Vorlesen. Selbstgeschriebenes bei einem Date vorlesen und merken es kommt an.Gemütliche DVD Abende zu zweit und auch alleine.

Was ich nicht mag:

Kalten Kaffee. Hektik. Wenn es im Frühling plötzlich wieder überall nach Hundescheisse stinkt. Nazis. Besserwisser und Nichtskönner. Dummschwätzer. Smalltalk. Kalte Füße. Leute, die nur noch über Facebook kommunizieren. Leute die ihr komplettes Leben alle halbe Stunde über eine Statusmeldung der Öffentlichkeit mitteilen. Wenn ich eine DVD ausleihe und sie springt von einer beschädigten Stelle zur nächsten und man es sich schon gemütlich gemacht hat. Wenn der Kaffee auf Arbeit schon wieder alle ist und man der einzige ist der ständig neuen kocht aber keinen abbekommt.

Und so sehe ich ohne Farbe aus:

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