Das Huhn. Teil 3

Der Bassist war alleine zu Hause. Es war ein langer Tag auf Arbeit und dann auch noch die Probe. Der Schlagzeuger hatte wohl nicht mehr alle Tassen im Schrank. Aber er war ein guter Schlagzeuger und gerade waren sie im Aufwind und einen besseren hätten sie jetzt erstmal so schnell nicht gefunden.

Es klopfte. Er sah durch den Türspion. Elvis stand vor der Tür. Er öffnete.

Nabend. Was machst du denn hier?

Darf ich erst mal reinkommen?

Na klar. Was gibts denn?

Wir müssen über den Schlagzeuger reden.

Ja.

Glaubst du er spinnt?

Ich weiß es nicht. Aber er ist ein guter Schlagzeuger.

Elvis nickte. Ja. Das stimmt. Er ist wirklich ein guter Schlagzeuger. Aber es gibt auch gute Schlagzeuger die spinnen. Schau dir Phil Rudd von AC DC an.

Was ist mit dem?

Mensch! Hast du das noch nicht mitbekommen? Ist doch überall in den Medien. Der hat nem Typen Geld geboten damit der jemanden umbringt!

Ach quatsch?! Aber ein guter Schlagzeuger.

Ja ein guter Schlagzeuger. Aber deswegen bin ich nicht hier. Ich wollte mit dir über unseren Schlagzeuger sprechen. Was ist das mit dem Huhn?

Emma?

Emma? Hat er jetzt sogar schon einen Namen für das Huhn?

Ja.

Verrückt.

Verrückt. Aber wirklich ein guter Schlagzeuger.

Elvis und der Bassist sahen sich lange an.

Was sollen wir machen? Es nicht beachten und erst eingreifen wenn sein Spiel sich verändert oder sollen wir gleich mal vorbeischauen?

Jetzt noch?

Der Bassist war müde und wollte eigentlich nur noch ins Bett.

Dann geh ich alleine. Elvis ging so schnell wie er gekommen war und sagte nicht mal mehr tschüss.

Der Bassist machte sich ein wenig Gedanken um seinen Egoismus aber Schlaf war ihm wichtiger als ein Huhn.

Elvis klopfte an der Tür des Schlagzeugers. Nichts passierte. Er klopfte noch mal. Langsam öffnete sich die Tür. Der Schlagzeuger streckte den Kopf raus.

Was ist denn?

Ich wollte mit dir quatschen.

Komm rein.

Wo ist denn… Wo ist denn das Huhn? Emma?

EMMA? Wo bist du? Elvis will dich kennen lernen!

Sie folgten dem Gackern das aus dem Wohnzimmer kam. Emma saß vor dem Fernseher und es sah so aus als würde es Dr. House anschauen.

Du lässt Emma fernsehen?

Was soll ich denn sonst mit Emma machen?

Ich weiß nicht. Was macht man denn sonst so mit Hühnern?

Was fragst du mich das?

Sie setzten sich auf die Couch und öffneten ein Bier.

Und Emma war plötzlich da?

Emma war plötzlich da.

Einfach so?

Einfach so!

Sie passt jedenfalls zu dir!

Wieso?

Sie hat rote Federn!

Elvis und der Schlagzeuger sahen sich an und bekamen einen Lachanfall…

Das Huhn Teil 1 —>

Das Huhn Teil 2 —>

 

Auftragstext. Benutze: Fuchs, Tätowierer, Dreirad und Quarktasche…

Der folgende Text entsteht in Zusammenarbeit mit Lisa Ha. Sie sagte zu mir: Schreibe doch mal was mit den Worten “Fuchs, Tätowierer, Dreirad und Quarktasche”… Nichts leichter als das dachte ich mir und daraus entstand der nun folgende Text. Der Text wird länger und länger. Der nächste Teil wird von Lisa Ha. geschrieben – mit von mir bestimmten Wörtern. Viel Spaß beim Lesen!

Ein Fuchs muss tun was ein Fuchs tun muss?!
Der Tätowierer starrte Herbert fassungslos an.
Was soll das denn?
Ein Tattoo. Das will ich haben! Wo ist das Problem?
Herbert, du bist Clanchef der Hells Angels Berlin und jetzt willst du so ein Tattoo haben? Ja. In Comic Sans Serif Schrift.
Hä? Was ist denn in dich gefahren?
Was denn? Das ist ein Songtext von den Absoluten Beginnern!
Deutscher Hip Hop?
Ja! Und ein Dreirad. Ein Dreirad muss auch dazu. Daneben.
Daneben? Also neben das Eiserne Kreuz und den Schriftzug „Kill the Mongols“ willst du „Ein Fuchs muss tun was ein Fuchs tun muss“ und ein Dreirad? Ja! Warum in aller Welt? Ich hab eine Wette verloren.
Was denn für eine?
Ich hab eine Frau kennen gelernt.
Ja und?
Ich hab mit meinen Jungs von den Hells Angels gewettet, dass ich nie heiraten werde.
Ach.
Ja. Wir heiraten im Juni. Sie ist Deutschlehrerin.
Deutschlehrerin. Du? Als Hells Angels Chef?! Weiß sie das?
Natürlich. Wir haben uns auf dem Helene Fischer Konzert kennen gelernt.
Bitte?
Ja. Ich bin auch nur ein Mann und auch ich habe ein Herz. Die macht gute Musik.
Helene Fischer? Helene Fischer macht gute Musik die von einem Hells Angels gehört wird? Ja natürlich. Können wir jetzt endlich anfangen? Auf meiner Liste stehen noch drei Dönerbesitzer die ihr Schutzgeld noch nicht bezahlt haben. Denen muss ich noch einen Besuch abstatten.
Ähh ja natürlich.
Herbert zog sein Hells Angels Weste und das Shirt darunter aus und legte sich mit dem Bauch nach oben auf die Liege. Der Tätowierer begann gerade die Grundlinien auf Herberts dickem Bauch zu stechen da hörte er ein Grummeln aus seinem dickem Bauch.
Was denn jetzt?
Ich hab Hunger.
Ich hab doch eben erst angefangen.
Ja. Aber ich hab Hunger.
Machen wir doch erstmal die Umrisse fertig.
NEIN! Ich hab Hunger. Hast du was zu essen da?
Nur eine Quarktasche.
Sonst nichts?
Nein.
Na dann gib mir die Quarktasche. Ich kann nebenbei essen.
Ich kann aber nicht stechen während sich dein Bauch bewegt.
Dann müssen wir eine Pause machen.
Der Tätowierer und Herbert setzten sich an den Kaffeetisch.
Möchtest du auch einen Kaffee dazu?
Ja. Schwarz.
Herbert schlürfte seinen Kaffee, aß die Quarktasche und schaute nebenbei in seinen Taschenkalender.
Da fällt mir auf – du hast auch schon lange kein Schutzgeld mehr bezahlt.
Ja aber ich tätowiere euch Hells Angels doch alle. Kostenlos.
Ja und? Schutzgeld musst du trotzdem bezahlen.
Naja. Sogut laufen die Geschäfte nun auch nicht.
Nicht? Komisch. Das erzählen sie immer alle. Nirgends laufen die Geschäfte anscheinend gut. Das kann gar nicht sein! Naja. Belassen wir es erstmal bei der Quarktasche in diesem Monat und nächsten Monat sprechen wir dann noch mal! Stech endlich weiter!
Der Tätowierer nahm zitternd die Tättoomaschine in die Hand und begann nervös seine Arbeit.

Das Huhn. Eine Fortsetzungsgeschichte. Teil 2.

Noooch ne Rundee!

Das wäre dann die fünfte. Kannst du das erstmal bezahlen bitte?

Ey! Isch bin Schlagzeucher! In ner Band.

Trotzdem musst du zahlen. Ich kenn dich nicht.

Aaaaaber da saß ein Huuuuuuuhn in meiner Duschä!

Das ist was anderes.

Escht? Kommt das öfters vor?

Ey hör zu du abgefacktes Arschloch. Du zahlst jetzt oder du gehst hier mit gebrochener Nase raus!

Eine Minute später saß er auf der Straße, hielt seine blutende Nase und fluchte…

Ein vorbeikommender Mann hielt an und fragte ihn, ob er helfen könnte.

Ich will nicht nach Hause!

Ja das kenne ich. Und wie lange bist du schon verheiratet?

Ich bin nicht verheiratet!

Was ist dann das Problem?

Da ist ein Huhn.

Ein Huhn?

Ein Huhn. Und es legt Eier.

Ich stelle die Frage nur ungern ein zweites Mal aber wo ist das Problem?

Er schaute den fremden Mann an. Lange. Langsam nickte er.

Genau! Ich lass mich doch nicht von so einem dahergelaufenen Huhn verrückt machen!

So ist richtig. Jetzt wisch dir mal das Blut aus dem Gesicht, trink nen Kaffee und dann geh nach Hause.

Langsam und vorsichtig öffnete er die Tür. Er linste in den Flur. Nichts zu sehen und zu hören. Er betrat seine Wohnung und schloss leise die Tür.

Hallo? Emma?

Er hörte nichts. Emma antwortete nicht. Uff dachte er sich. Vielleicht war alles ja nur eine Einbildung. Er sollte besser auf seine Gesundheit achten dachte er sich.

Er ging in die Küche und erschrak. Da war Emma. Emma saß auf dem Wasserhahn und schlief. Jedenfalls gackerte es nicht und hatte die Augen zu. Offenbar saß sie da schon eine ganze Weile. Das Waschbecken war vollgekackt.

WAS MACHST DU HIER?!?!?

Emma wachte auf, flatterte erschrocken auf den Boden und gackerte wild umher.

Ich dachte du wärst eine Einbildung! Wegen dir hab ich auf die Fresse bekommen. Wegen dir macht sich meine Band lustig.

Emma gackerte immer noch. Es klang wie ein Lachen.

 

Hier geht es zum ersten Teil—>

 

Das Huhn. Eine Fortsetzungsgeschichte. Teil 1

Es gackerte. Das Huhn schaute ihn nervös an, scharrte mit den Füßen und gackerte nervös. Er betrachtete es und trocknete sich dabei ab. Das Huhn stand immer noch in seiner Dusche. Und gackerte. Keine Ahnung woher es gekommen war. Nun legte es auch noch ein Ei. Er war fertig abgetrocknet, runzelte die Stirn und zuckte mit den Schultern. Wenn das Huhn schon ein Ei in meiner Dusche legt, kann ich es auch zum Frühstück braten dachte er sich. Er nahm das Ei und ging nackt in die Küche. Die Henne folgte ihm gackernd. In der Küche betrachtete er das Ei. Es war ein braunes. Mittelgroßes. Er fragte sich, ob das Huhn bisher Bio aufgewachsen war und ob man das wohl schmecken würde.

Er kochte es. Drei Minuten. Wie immer. Warum sollte er von einem liebgewonnenen Ritual abweichen nur weil das Ei von einem ihm unbekannten Huhn warum auch immer in seiner Dusche gelegt wurde. Zum Dreiminutenei gab es zwei Scheiben Toast. Mit Butter bestrichen. Er setzte sich an seinen Küchentisch und frühstückte. Das Huhn war immer noch da. Es lief unter dem Tisch hin und her und gackerte. Ob Hühner immer so gackern oder nur wenn sie nervös sind. Ist es überhaupt nervös und wie erkenne ich das?

Ich sollte es füttern – es ist schließlich für mein Frühstück verantwortlich. Er stand auf und ging an den Küchenschrank und sah nach womit er das Huhn füttern könnte. Er fand Haferflocken und Cornflakes. Gut genug für Emma – so nannte er ab jetzt das Huhn – dachte er sich und verstreute ein wenig der Frühstücksceralien auf dem Küchenboten. Emma kam neugierig unter dem Küchentisch hervor, scharrte mit den Krallen und begann die Haferflocken zuerst aufzupicken.

In meiner Dusche war heute Morgen ein Huhn. Er saß an seinem Schlagzeug im Probenraum.

Ach – hast du dir gestern mal wieder jemand nach Hause genommen. Der Bassist verstand ihnoffenbar nicht richtig.

Nein. Es war ein Huhn in meiner Dusche. Heute Morgen. Ein richtiges Huhn. So ein Tier. So eines das Eier legt.

Hä? Was hast du denn genommen?

Ich hab gar nichts genommen! Können wir endlich anfangen?! Langsam war er genervt. Er konnte doch nichts dafür, dass da plötzlich ein Huhn in seiner Dusche auftauchte.

Endlich kam Elvis. Der Sänger ihrer Band der eigentlich Peter Müller hieß aber so ein Name macht sich schlecht in einer Band.

Was ist denn hier für eine Stimmung? Ist jemand gestorben?

Er hatte heute Morgen ein Huhn in seiner Dusche.

Ach – gestern wieder unterwegs gewesen? Ist sie wieder rothaarig? Wo triffst du eigentlich immer diese Hammerfrauen?

ICH WAR NICHT UNTERWEGS. ES WAR BISHER EINE ROTHAARIGE UND DA SASS WIRKLICH EIN HUHN IN MEINER DUSCHE!

Elvis und der Bassist sahen sich erschrocken und verwirrt an.

Drogen? Der Bassist schüttelte langsam den Kopf. Angeblich nicht.

Können wir endlich anfangen?

Wenn du dabei nicht gackerst.

Elvis und der Bassist lachten sich den Arsch ab.