vollerwachsen und das letzte Einhorn

Ich hatte hier schon einmal davon geschrieben, wie ich Schuld daran war, dass das letzte Einhorn gestorben ist. Nun muss ich zugeben, dass diese Geschichte nicht ganz der Wahrheit entsprach. Ja, ich war daran beteiligt. Ja, es war in Afrika. Aber es war nicht auf einer Safari und ich war auch nicht alleine.

Die ganze Wahrheit ist diese – ich war ein gelangweiltes Supermodel und hatte keine Lust mehr auf diesen oberflächlichen Scheiß. Bei einer Modeshow in Afrika bzw. bei der Aftershowparty davon, traf ich Monsieur Kaspar. Damals war auch er ein Supermodel. Auch er war gelangweilt und wollte wie ich, etwas neues starten.

Bevor wir etwas neues starten konnten, mussten wir ersteinmal lernen, mit uns selbst klar zu kommen und selbstständig zu arbeiten. Dazu engagierten wir einen Drill Instructor names Das Leben. Das Leben war hart aber gerecht. Und er brachte uns so einiges bei.

Die ganze Geschichte seht Ihr in diesem Video:

Die Kleinwüchsige

Ein Abend in der Stammbar. Wie so viele Abende. Ich sitze an der Bar und unterhalte mich mit dem Barkeeper, beobachte die Leute um mich herum und spiele zwischendurch Tischtennis.

Irgendwann kommt sie herein. Sie fällt mir auf obwohl sie kaum über die Platte schauen kann. Eine Kleinwüchsige. Unsere Blicke treffen sich mehrfach und sie lächelt mich an. Ich lächle zurück.

Zurück an der Bar bestelle ich mir ein Bier. Sie sitzt plötzlich neben mir und unterhält sich mit dem DJ. Die beiden kennen sich anscheinend und ich höre, sie ist aus Amerika. Irgendwann ist ihr Gespräch beendet und wir kommen ins Gespräch. Ich bin schon leicht angeheitert. Wir unterhalten uns über Trump, Berlin, die Bar, was sie hier so macht, wie lange sie schon hier ist und so anderes Kennenlernzeugs halt. Als ich mir eine Zigarette anzünde, biete ich ihr auch eine an. Sie lehnt ab.

Wieso frage ich, hast du Angst dein Wachstum wird deswegen behindert?

Im Taxi reibe ich mir die Wange. Mein Shirt stinkt nach Bier und ich will einfach nur noch nach Hause.

Ob diese Geschichte wahr oder erlogen ist – ist ganz euch überlassen.

Wir trafen uns in einem Garten

Wir trafen uns in einem Garten. Und was beginnt und sich anhört wie der Song eines Lieds von Zweiraumwohnung, endete auch in solcher. Aber der Reihe nach. Ausgangspunkt war das Internet. Genauer gesagt Tinder. Da mir nicht klar war, ob mein Tinder noch funktionierte, weil ich seit Wochen kein Match mehr hatte, likte ich einfach alle. Lange passierte nichts. Dann ein Match. Die Frau mit der Carharttmütze im Gesicht. Eigentlich so gar nicht mein Typ. In ihrem Profil stand etwas von Queer und Genderfair und Sapiosexuell. Auch eigentlich gar nicht so mein Fall. In meinen Augen gibt es Mann und Frau. Hetero und Homo und vielleicht noch Bi. Aber das ist eine Erziehungssache. Überholt sowieso. Jedenfalls. Sie stand dann da vor mir. Keine Ahnung wie wir beide denken konnten, dass wir irgendwas miteinander anfangen könnten. Langeweile wahrscheinlich. Sehnsucht. Ein zusammengenähter Rock aus sämtlichen Stoffresten, Rastahaare, behaarte Beine, Piercings und wie auf dem Foto schon, eine Carharttmütze. Eigentlich wollte ich direkt wieder gehen. Aber sie, queer und genderfair und Sapio hätte wahrscheinlich auch einem nackten Nazi eine Chance gegeben. Die Sonne schien. Der Garten war schön. Wir bestellten einen Kaffee. Sie einen Sojalattedingsbums. Ich dachte mir meinen Teil dabei und hätte Lust auf ein Steak gehabt. Genau in diesem Moment. Und dann – dann unterhielten wir uns plötzlich und wir hatten uns tatsächlich etwas zu sagen. Und mit einem Mal, hätte da vor mir das beste Steak der Welt liegen können – ich hätte es weggeschoben – ich wollte nur noch sie. Sofort. Sex. Mit ihr. Sie sah das offenbar ähnlich. Ich wohn da gleich sagte sie und wir gingen los. Sie bestand darauf, ihren Sojalattescheißdingsbums selbst zu zahlen. War auch gut. Weil danach wäre ich pleite gewesen. Dann waren wir in ihrer Wohnung. Einer Zweizimmerwohnung. Sie drehte uns eine Tüte. Aus fair angebautem Tabak, selbst angebauten Gras und Bioblättchen. Das Zeug war gut. Sanft. Ruhig. Und der Sex danach war der Hammer. Es fühlte sich an wie in einem Garten. Auch, weil sie nicht rasiert war. Aber das war ok so. Sie nennt mich ihren Hippsterboytoy. Unser Sohn heißt Maximilian Ludwig. War ihre Idee. Und wir wohnen immer noch in ihrer Zweiraumwohnung.

Küsse in der Nacht

Betrunken. Betrunken gebe ich ihr einen Kuss. Sie beisst in meine Lippe, drückt mich weg und schlägt mir mit der flachen Hand ins Gesicht.

Ich reibe meine brennende Wange. Sie geht auf die Toilette. Ich gehe hinterher. Warte vor der Tür auf sie. Als sie rauskommt schaut sie mich böse an.

WAS?!

Ich bin betrunken. Ich drücke sie gegen die Wand und versuche sie noch einmal zu küssen. In Filmen funktioniert das immer. Sie schaut wohl nicht genug Filme. Sie rammt mir ihr Knie in den Unterleibt. Wortwörtlich schlagartig bin ich nüchtern und wälze mich vor Schmerz auf dem Boden. Sie steht vor mir und kurz denke ich, es tut ihr leid. Doch dann zieht sie die Nase hoch und rotzt mir ins Gesicht. Dann geht sie weg.

Ich gehe zurück an die Bar. Bestelle noch mehr zu trinken. Komme mit einer anderen ins Gespräch. Irgendwann küsse ich sie. Sie beisst nicht in meine Lippe und rammt mir auch nicht ihr Knie in meinen Unterleib. Irgendwann gehen wir nach Hause. Sie kommt mit zu mir.

Am nächsten Morgen liegen wir im Bett.

Ich hab dich beobachtet gestern.

Was meinst du?

Wie du sie versucht hast zu küssen. Wie sie dich geschlagen hat. Wie du es noch einmal probiert hast.

Ach. Aha.

Ich wollte einfach nur Sex. Ich wusste du bist einfach zu bekommen. Ich gehe jetzt nach Hause. Ich werde dich nicht anrufen. Du wirst mich auch nicht anrufen. Facebook hab ich auch nicht.

Sie zieht sich an und ohne ein weiteres Wort verlässt sie meine Wohnung.

Ich kann mich nicht einmal erinnern wie der Sex war.

derkuss

Das Foto ist von mir. Diese Geschichte ist frei erfunden. Sie ist nicht real. Es ist so eine Art Schreibübung.

Im Märchenbrunnen habe ich meine Unschuld verloren

Diesen Text kannst du dir auch vorlesen lassen–>

Ich stieg betrunken in die M10. Es war Samstag. Es war spät. Oder auch früh. Wie auch immer man das betrachtet. Torkelnd setzte ich mich auf einen freien Platz, sah aus dem Fenster und wollte einfach nur meine Ruhe haben.

Eine Haltestelle weiter setzten sich zwei Mädels zu mir. Auch sie waren betrunken. Und Mädchen Eins erzählte Mädchen Zwei folgende Geschichte, während ich versuchte so zu tun nicht zuzuhören und zu schlafen.

Es war im Juni. Es war warm.  Ich stieg in der Warschauerstraße in die M10. Ich wollte zur Eberswalder. War mit Josi im Dr. Pong verabredet.  Dann setzte sich plötzlich dieser Typ mir gegenüber. Zerrissene Jeans, zerlatschte Chucks, Baumfällerhemd und blonde Rastas. Er schaute mich an. Ich schaute ihn an. Er lächelte. Ich lächelte. Er nahm einen Stift und ein Blatt Papier und schrieb etwas darauf. Er gab mir den Zettel. Willst mit mir durch den Volkspark spazieren?

Ich überlegte. Ich kannte ihn ja nicht. Aber ich nickte. Einfach so. Keine Ahnung wieso und warum ich das tat. Dann stieg er aus. Nickte mir zu und ich folgte ihm einfach. Ich bin Tom sagte er, als wir aus der Bahn gestiegen waren. Lisa sagte ich. Einfach nur Lisa. Ich wollte noch mehr sagen, aber ich hab irgendwie nichts herausbekommen.

An dieser Stelle lachte Lisa. Und ich glaube sie zeigte auf mich. Denn das andere Mädchen sagte, ach mach dir keine Sorgen. Der schläft.

Lisa erzählte also weiter.

Wir liefen durch den Park. Es war dunkel. Er nahm einfach meine Hand und ich ließ es zu. Er erzählte mir, dass er gerade Urlaub in Berlin macht und eigentlich aus einer kleinen schwäbischen Stadt Namens Ludwigsbuch kommt.

Fast musste ich lachen. Die Stadt heisst Ludwigsburg und ich komme auch daher. Aber ich „schlief“ weiter.

Es war so verrückt. Er blieb stehen, schaute mir tief in die Augen, machte mir Komplimente und küsste mich. Ich schwebte. Es war so wunderschön. Er war schön. Und so zärtlich.

Mir kam fast das kotzen ob dieser schmierigen, kitschigen Geschichte. Aber irgendwie gefiel sie mir auch.

Wir liefen dann weiter. Bis zum Märchenbrunnen. Mein Handy pipste die ganze Zeit. Josi schrieb mir ständig SMS wo ich den wäre. Aber mir war alles egal. Wir setzten uns an den Rand des Brunnens. Wir waren ganz alleine. Wir küssten uns. Es war so schön. Dann zog er mich langsam aus. Eigentlich wollte ich das nicht. Ich…

Sie zögerte wieder. Vermutlich schaute sie mich an denn die andere meinte nur „Der schläft, erzähl schon weiter!“ Fast musste ich grinsen.

Ja gut. Naja, ich wollte das ja eigentlich nicht. Ich hatteja noch nie und bisher nur mit Peter geknutscht. Mehr war da nicht. Obwohl die ganze Schule ja was anderes behauptet. Aber egal, jedenfalls zog er mich aus,ich ließ es geschehen und zog auch ihn aus. Dann saßen wir beide nackt imMärchenbrunnen.

Im Märchenbrunnen habe ich meine Unschuld verloren. Es war so wunderschön. Ich werde das nie vergessen.

Dann wurde es still. Ich tat so, als würde ich immer noch schlafen obwohl ich neugierig war. Doch plötzlich wurde ich unsanft von einem  Schütteln geweckt. Ey! Ufstehen, det is keen Bett hier, det is die Endstation.

Bis heute weiß ich nicht, ob ich das geträumt habe!